
Jochen Stolz
Jochen, du bist vor mittlerweile mehr als 13 Jahren nach Teneriffa ausgewandert. Wie kam es dazu?
Nachdem ich auf Norderney meinen Zivildienst absolviert hatte, war mir klar, dass ich nicht wieder an meinem Geburtsort Karlsruhe zurück wollte. Ich hatte Blut geleckt, direkt am Meer zu wohnen. Nach und während des Zivildienstes habe ich als Kellner und Barkeeper gejobbt. Als der Zivildienst zu Ende war hab ich diese Jobs noch bis in den Winter hinein gemacht, allerdings wollte ich dann keinen 2. Winter mehr in der Kälte verbringen. Durch die parallelen 3 Jobs hatte ich etwas Geld angespart und konnte mir erstmal ein Jahr Auszeit zum Windsurfen gönnen. In die engere Wahl kamen Hawaii, Südafrika und Australien. Allerdings hatte ich noch einen VW Bus und den konnte ich schlecht an diese Ziele mitnehmen. Den zu verkaufen wäre nicht wirklich sinnvoll gewesen, sollte er mir doch später als Zuhause dienen. Dann erinnerte ich mich an einen Artikel in einem Mag, in dem die Kanaren als das Hawaii Europas bezeichnet wurden. Mit der Fähre dahin stellte kein Problem da. Zufälligerweise war der Chef und Freund von mir einer der Bars, in den ich auf Norderney gearbeitet hatte, gerade zum Überwintern auf Teneriffa und schwärmte mir vor, wie toll es da wäre, also stand auch schon das Ziel fest. Und dann bin also los gefahren. Es war von Anfang an eine tolle Zeit! Und so, wie mir nach dem Zivildienst auf Norderney klar war, dass ich nicht wieder nach Karlsruhe wollte, war mir nach einigen Wochen auf Teneriffa bewusst, dass ich diesmal nicht nach Deutschland zurückkehren wollte.


Wie konntest du dich finanzieren und wie hat sich dein Aufenthalt entwickelt?
Ich habe dort dann erstmal ein paar Monate nur gesurft und gewindsurft. Als ich dann die ersten Leute kannte und die Sprache einigermassen beherrschte, kamen nach und nach dann die ersten kleinen Jobs wie Flyer austragen oder Kellnern. Nach einem Jahr hab ich den VW Bus verkauft. Ein kleiner C15 tats auch. Dann bin ich in meine erste kleine Wohnung in El Medano gezogen. Irgendwann hab ich angefangen bei einer Promotionfirma im Direktverkauf in der Tourismusbranche zu arbeiten. Ich konnte durch den Verkauf von Produkten für Kinder von Urlaubern mit relativ wenig Arbeitszeit ganz gut Geld verdienen. Ein Jahr später war ich dann der Verkaufschef auf den Kanaren. Als dann der Stress überhand nahm, und ich nur noch ganz selten aufs Wasser kam, hab ich die Reisleine gezogen. Ich war ja eigentlich wegen meines Sports hier. Wenn ich keine Freizeit mehr habe, brauche ich auch nicht auf den Kanaren zu wohnen, dachte ich mir. Ich hab gekündigt und zusammen mit einem damaligen Arbeitskollegen eine eigene Surfbar in El Medano eröffnet. Das Chachacha Cafe lief 2 Jahre super, allerdings waren mein Partner und ich zu oft verschiedener Meinung über die Zukunft und den täglichen Ablauf in der Bar. Als es mir zu nervig wurde hab ich meinem Teilhaber meinen Anteil verkauft und dann als Rezepzionist in einem Hotel gearbeitet. Während der ganzen Zeit, in der ich die Bar hatte ,wurde ich immer mal wieder von meinem Nachfolger in der Promotionfirma angerufen, ob ich nicht doch zurückkommen wolle. Als die Bar dann verkauft war, kam ein gutes Angebot mit flexibler Arbeitszeit, also perfekt um auch weiterhin viel aufs Wasser zu kommen. Ich ging dann also wieder zu meiner alten Firma.

Inzwischen wurde die Promotionfirma verkauft und ich arbeite als geschäftsführender Gesellschafter, wenn man es vornehm ausdruecken will. Eigentlich sind wir eine ganz kleine Firma und ich mach komplett alles: Bestellung, Buchführung, Verwaltung, Einstellung von Personal, Verkaufsschulung und so weiter. Nur nicht den Vertrieb. Die neue Besitzerin lässt mir schon seit vielen Jahren total freie Hand – so ist es perfekt. Ich kann also meinen Sport ideal mit der Arbeit kombinieren. Wenn z.B. ein guter Swell mit Wind aus der richtigen Richtung für den Norden Teneriffas angesagt ist oder ein fetter Tag in Cabezo, erledige ich eben die ganze Arbeit schon vorher um dann wirklich nichts zu verpassen. Seit 2 Jahren arbeite ich auch ab und zu als Fotografenassistent bei Pressefahrveranstaltungen.
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