
Minds Wide Open - Andre Paskowski
Andre Paskowski kämpft seit Mai vergangenen Jahres mit einer Krebserkrankung und musste sich im Zuge der Behandlungen diverser Chemo-Therapien und Operationen unterziehen. Zuletzt musste er für eine Behandlung 9 Wochen im Krankenhaus verbringen. Trotzdem arbeitet er parallel an einem sehr ehrgeizigen Filmprojekt: Minds Wide Open wird der Nachfolger von seiner erfolgreichen Produktion Four Dimensions.
Andre, vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst mit uns zu sprechen. Meine erste Frage lautet natürlich, wie geht es dir?
Mir geht es den Umständen entsprechend gut.
Das bedeutet?
Ich war gerade für eine weitere Chemo-Therapie für 9 Wochen im Krankenhaus. Als ich gehört hatte, dass ich erneut ins Krankenhaus muss, und das für 9 Wochen, dachte ich, das stehe ich nicht durch. Aber das ging dann viel schneller als erwartet. Und ich habe festgestellt, dass es jede Menge Patienten gibt, denen es schlechter geht als mir. Ich hatte in der Zeit immer verschiedene Patienten in meinem Zimmer. Da habe ich viel Elend gesehen. Und gemerkt, dass andere weniger Mut und Kraft hatten als ich. Ich bin sehr dankbar, dass ich, nicht zuletzt durch den Support von meinen Eltern und Freunden immer gut davor war. Alle meine Werte sind jetzt laut den Ärzten gut. Ich hoffe jetzt, wie nichts anderes auf der Welt, dass es das jetzt wirklich gewesen ist. Ich bekomme momentan noch Bestrahlungen, gelte sonst aber medizinisch als austherapiert. Das klingt erst Mal positiv, bedeutet aber, sollte ich noch mal einen Rückfall erleiden, hätten die Ärzte kein Mittel mehr zur Verfügung mich weiter zu behandeln.


Es handelt sich um eine Protonenbestrahlung am Kopf. Damit soll das Risiko ausgeschaltet werden, dass im Gehirn noch Reste der Krebszellen verbleiben. Das Gehirn ist durch eine Blutsperre vom restlichen Blutkreislauf im Körper getrennt, damit Krankheiten nicht auf das Gehirn überspringen. Das bedeutet aber auch, dass eine Chemo-Therapie dort nicht vollständig wirken kann. Die Bestrahlungen sind in der Tat eine Belastung, auch wenn ich bis jetzt keine Nebenwirkungen spüre. Die Bestrahlungen finden täglich statt und sind mit einer Stunde Fahrt und Warterei verbunden. Außerdem muss ich jeden Tag ins Krankenhaus, ein Ort, den ich nicht mehr sehen kann. Hier ist man jeden Tag aufs Neue dem Elend von Krebserkrankungen ausgesetzt.

Der Rest sind Reha-Programme und Sport. Das ist der angenehme Teil. Es geht darum meine Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Das sind unterschiedlichste Maßnahmen von Orientierungs- und Balanceübungen bis zu echtem Ausdauertraining. Natürlich mit geringer Belastung. Außerdem wird meine Lunge, die ja auch 2 Mal operiert wurde, trainiert. Das sind Techniken, bei der z.B. die Lunge massiert wird, um Atemreize zu setzten.
Ist denn deine Arbeit an dem Filmprojekt in dieser Phase das Richtige? So eine Produktion ist, das weißt du besser als ich, sehr nervenaufreibend.
Das ist eine berechtigte Frage. Das Projekt hat mir im Verlauf meines Kampfes mit dem Krebs immer ein Ziel vor Augen gehalten und Kraft gegeben. Das war sehr wichtig für mich. Momentan ist es ein bisschen belastend. Ich möchte natürlich dafür sorgen, dass der Film so gut wie möglich wird. Aber ich habe momentan nicht die Kraft mich den ganzen Tag mit in den Schnitt zu setzten. Ich merke aber, dass Basti (Sebastian Dörr, Anmerk. d. Red.) Unterstützung benötigt. Das ist völlig normal. Wenn man den ganzen Tag allein auf den Bildschirm starrt, fehlt irgendwann die nötige Distanz und Inspiration. Leider ist ja Peter Svensson diesmal nicht mit von der Partie. Unser letzter Film ist zu gut gelungen. Da hat Peter ein unwiderstehliches Angebot von Red Bull bekommen und arbeitet jetzt fest in Salzburg. Basti arbeitet also viel alleine und ich müsste ihn nach Möglichkeit mehr unterstützen. Dazu fehlt mir aber noch die Power. Ich muss also jetzt die richtige Balance finden und darf mich nicht stressen lassen. Das Projekt soll für alle positive Energie bringen. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir vor größeren Problemen stehen. Ich will nur vorzeitig sicherstellen, dass alles nach Plan läuft. Das ist meine Aufgabe als Produzent.
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