Zum inzwischen fünften Mal lande ich Mitte Februar auf der Kapverden-Insel Sal. Wie jedes Mal klatsche ich wenig enthusiastisch aber doch brav mit, als der Flieger langsam auf der staubigen Landebahn ausrollt – Gruppenzwang im TUI-Bomber.
ie jedes Mal denke ich mir: „nächstes Jahr fahr ich aber mal wo anders hin“. Und wie jedes Mal weiß ich insgeheim, dass es nächstes Jahr doch wieder genauso kommen wird. Denn es ist die immer gleiche Abwechslung, die mich fast jährlich nach Sal reisen lässt.
Das beginnt schon im Flieger: Wenn ich mich zwischen den Reihen so umschaue, senke ich den Altersdurchschnitt von gefühlten 63 auf 61,5 Jahre - nichts neues auf dieser Strecke. Mein Vater ist auch wieder dabei - auch nichts neues, zum Glück. Denn außer in Urlauben, sehen wir uns nur noch selten. Außerdem hebt er den Altersdurchschnitt wieder auf 63, das Flieger-interne Altersgleichgewicht ist also wieder hergestellt. Nicht, dass der Pauschaltourist beunruhigt ist und denkt er wäre doch in den Flieger nach Malle gestiegen.
Abholung vom Flughafen oder Schlafgelegenheit für die erste Nacht haben wir vor der Ankunft auf der Insel getreu dem Inselmotto „no stress“ nicht organisiert. Ist auch nicht nötig. Taxifahrt nach Santa Maria, Appartement Klarmachen, Smalltalk an der Surfstation und Surfmaterial Aufbauen erledigen wir in rekordverdächtigen 90 Minuten, sodass am Anreisetag noch locker Zeit für eine erste Surfsession bleibt. Die Wege auf Sal sind eben kurz und die Appartements zahlreich, denn nach einem kurzen Bau-Boom blieben die erhofften Touristenströme aus. Ich surfe bis es dunkel wird, mein Vater hört schon früher auf – er behauptet er sei nicht im Training. Ich lasse das mal als Ausrede dafür gelten, dass seine Priorität im Surfurlaub eben schon lange nicht mehr dem Surfen selbt gilt, als vielmehr dem genussvollen Feierabend-Bier an der Surfstation mit den immer gleichen Sal-Widerholungstätern in fast familiärer Atmosphäre.
So hat eben jeder das Seine, und dank der vielfältigen Surfbedingungen auf Sal findet in surferischer Hinsicht auch jeder das „Seine“: eine ein bis drei Meter hohe Welle am Luvkap von Santa Maria, die nur selten wirklich steil wird, dafür aber sehr sauber und geordnet läuft, macht den Wellenein- und Aufsteiger mindestens so glücklich, wie die extrem kraftvolle und schnelle Welle von Alibaba den hippen Multifinboard-besitzenden-Wave-Süchtling.