PWA Marignane 2021: Lennart Neubauer schafft fast die Revolution

PWA World Cup 2021Marignane, France

Lennart Neubauer zeigt einen neuen Move und verliert trotzdem gegen den Weltmeister. Balz Müller tritt mit Foil im Freestyle an.

von Lars Niggemeyer
Nach zwei Jahren kehrt Freestyle endlich auf die Weltbühne zurück! Heute war der bisher beste Tag des insgesamt neuntägigen Worldcups in Marignane, Frankreich. Nach vielen Heats weit draußen auf dem Mittelmeer vor Carro sind nur noch die Top 4 Frauen und Top 7 Männer in der Disziplin Freestyle übrig. Die Bedingungen waren nicht einfach und nicht nur der bitterkalte Wind sorgte für Strapazen: Kabbeliges Wasser und Wind zwischen 12 und 25 Knoten stellten die besten Freestyler der Welt auf die Probe. Doch nach über zwei Jahren ohne Freestyle-Wettbewerbe waren die meisten Teilnehmer einfach nur froh, wieder in ihren Wettkampf-Lycras gegen die Besten der Welt antreten zu können.

Freestyle - Frauen
Oda Brødholt, die Nummer 3 der Welt zeigte im Viertelfinale gegen Deutschlands Waveriderin Lina Erpenstein, die ihr Debüt im Freestyle-Worldcup gab, eine glänzende Vorstellung. Die Norwegerin hatte zu viel Power, um Erpenstein den Einzug in die Top 4 zu ermöglichen. Im Halbfinale trifft Brødholt auf die Vizeweltmeisterin Maaike Huvermann. Diese hatte sich zuvor gegen die 17-jährige Salome Fournier, die ebenfalls ihr Debüt auf der World Tour gab, durchgesetzt. Brødholt und Huvermann sind schon oft gegeneinander angetreten, so dass man gespannt sein darf, wer sich dieses Mal ins Finale befördern wird.

In Heat 14 trat die zwölffache Freestyle-Weltmeisterin Sarah-Quita Offringa zum ersten Mal in Aktion und die Arubanerin lieferte wie gewohnt Power Moves auf beiden Seiten. Im kommenden Halbfinale wartet auf Offringa die Jugendweltmeisterin Lina Eržen, nachdem die 16-Jährige mit einer hervorragenden Leistung die Herausforderung von Olya Raskina abwehren konnte.
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Freestyle - Männer
Das Hauptgesprächsthema der ersten Runde war Balz Müller. Der Schweizer war der erste Surfer der Worldtour, der in einem regulären Freestyle-Heat mit einem Foil statt einer Finnen antrat. Der 27-Jährige ist dafür bekannt, dass er eigenhändig das Niveau im Foilen und insbesondere auch im Foil Freestyle in die Höhe treibt. Müller überstand die erste Runde, indem er seine Moves mit weitaus größerer Höhe als alle anderen zeigte und bei vielen Konkurrenten konnte man schon Muffensausen erahnen. Leider stürzte er im Achtelfinale zu vielen, was er sich gegen den hochtalentierten Adrien Bosson nicht leisten konnte.

Balz Müller: „Es war eine tolle Erfahrung. Die Bedingungen waren nicht so gut zum Foilen, aber auch nicht perfekt für die Finne. Es war für alle sehr herausfordernd, aber ich habe einige gute Moves gestanden. Leider hatte ich zu viele Crashs. Im Wettkampf ist es immer dasselbe: Man will alles geben, weiß aber, dass man es etwas sicherer angehen sollte, um ein paar Punkte auf dem Board zu haben. Ich überdrehe immer, weil ich zeigen will, was auf dem Foil möglich ist. Es ist schade, dass wir die Single Elimination nicht zu Ende gefahren haben, aber hoffentlich kommt morgen noch einmal genug Wind. Das Schöne am Foil ist, dass wir den ganzen Tag hätten fahren können, das ist ein bisschen schade. Hoffentlich werden wir in Zukunft mehr Leute sehen, die mit dem Foil antreten, denn dann können wir ein Ergebnis erzielen, auch wenn es nicht windig genug für Finnenfreestyle ist. Es ist eine aufregende Zeit für den Sport, da jeden Tag neue Tricks gelandet werden - besonders mit dem Foil. It's a great time to be alive!“

Nach einem knappen Sieg im ersten Durchgang gegen Antoine Albert zeigte Jose „Gollito“ Estredo eine dominante Leistung gegen Steven Van Broeckhoven und sicherte sich damit einen Platz unter den Top Acht. Der Venezolaner ist auf der Jagd nach seinem zehnten Weltmeistertitel, und wenn der Wind mitspielt, kann man nach seiner heutigen Leistung guten Gewissens auf ihn setzen. Gollito ist derzeit der einzige Freestyler, der sich einen Platz im Halbfinale gesichert hat, denn leider begann der Wind nach Heat 13a zu schwach zu werden. Mehrere Heats wurden versucht, mussten aber wegen des fehlenden Windes abgebrochen werden.
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In Heat 10 gewann Jacopo Testa gegen Antony Ruenes und kam damit in den Heat mit Amado Vrieswijk, der Dudu Levi besiegt hatte. Das Ergebnis ihres Heats steht noch aus. Adrien Bosson, der sich in Heat 11a an Balz Müller vorbeischlängelte, trifft nun im Viertelfinale auf Youp Schmit, nachdem der Bonaire-Boy die Hoffnungen von Nicolas Akgazciyan beendet hatte. Sam Esteve, ebenfalls aus Frankreich, nahm es in Heat 12a mit Dieter van der Eyken auf, was sich als einer der engsten Heats des Tages herausstellte. Am Ende war es jedoch der Franzose, der sich mit einem massiven Air Skopu durchsetzen konnte. Esteve wird nun im Kampf um die Top Vier auf den Belgier Yentel Caers treffen, den amtierenden Weltmeister.

Caers musste heute einige Federn lassen: Er traf in Heat 12b auf Jugendweltmeister Lennart Neubauer und hatte es alles andere als einfach. Der gehypte Grieche ist bereits in aller Munde und das zu Recht nach der heutigen Show. Am Ende brauchte Caers sogar einen Resail, um Neubauer zu besiegen. Der 17-Jährige hatte ihn in ihrem ersten Heat einen neuen, weirden Move vor den Latz geknallt: Den Mitato. In die Diskussion, ob der Move wirklich völlig neu ist und niemals dagewesen ist, wollen wir an diesem Punkt nicht einsteigen, aber hier gibt es den Move auf Video, direkt aus dem Heat:

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Es sah so aus, als hätte Neubauer einen großen Erfolg für sich verbucht. Nach einigen Unstimmigkeiten über den Punktestand stellte sich jedoch heraus, dass tatsächlich Caers den Heat gewonnen hatte. Beide zeigten echten Sportsgeist und stimmten einer Wiederholung des Heats zu. Beim nächsten Durchgang überließ Caers nichts dem Zufall, und erzielte mit 115,4 Punkten die bisher höchste Punktzahl des Wettkampfs. Der amtierende Weltmeister bleibt also im Rennen.

Die Vorhersage für morgen, Donnerstag, sieht nach einer Chance darauf aus, den Freestyle zu abzuschließen. WindGuru sagt derzeit 12-18 Knoten für Carro voraus. Vor diesem Hintergrund werden sich die Freestyler morgen früh um 8 Uhr treffen, wobei die Action ab 8:30 Uhr beginnen wird - sofern die Bedingungen geeignet sind. Die Slalom-Piloten treffen sich um 10 Uhr in Le Jaï zum Skippers' Meeting, der erste mögliche Start erfolgt um 10:30 Uhr.

Stay tuned!
Fotos: PWA / John Carter

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