PWA Marignane 2021: Sarah-Quita und Amado sind (fast) Weltmeister

PWA World Cup 2021Marignane, France

Sarah-Quita Offringa steht kurz vor ihrem 13. Freestyle-Titel. Amado Vrieswijk könnte seinen ersten abräumen.

von Lars Niggemeyer
Der Wind für den Morgen des siebten Tages des PWA Grand Slams in Marignane erwies sich als gerade ausreichend, um die Freestyle Single Eliminations der Männer und Frauen bei kniffligen Bedingungen durchführen zu können. Auch wenn es heute nicht der Power-Freestyle war, den wir in den letzten Jahren so lieben gelernt haben, war es dennoch ein spannender Wettkampf. Die Freestyler hatten im Finale der Frauen 10 Minuten und im Finale der Männer 12 Minuten Zeit, um zu zeigen, was sie in Leichtwind können. Heute kam es darauf an, Geduld zu haben und die Nerven zu behalten. Das Warten auf die richtige Böe erwies sich oft als ausschlaggebend.

Sarah-Quita Offringa steht nun kurz davor, ihre unglaubliche 13. Freestyle-Weltmeisterschaft zu gewinnen, während sich Amado Vrieswijk nach seinem Sieg im Finale gegen Adrien Bosson endlich ernsthafte Hoffnungen auf seinen ersten Weltmeistertitel machen kann. Vrieswijk stand bereits dreimal kurz davor, Weltmeister zu werden: 2016 verlor er im Tiebreak gegen Gollito Estredo, 2017 wurde er Vizeweltmeister und 2019 verpasste er den Weltmeistertitel, obwohl er zwei von drei Events in dieser Saison gewann. Es hat lange auf sich warten lassen für den 25-Jährigen, aber mit kaum Wind am Horizont sieht es so aus, als hätte das Warten auf seinen ersten Weltmeistertitel endlich ein Ende.
PWA Marignane 2021: Sarah-Quita und Amado sind (fast) Weltmeister
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Freestyle - Frauen
Sarah-Quita Offringa lieferte sich im Finale der Siegerinnen ein weiteres Duell mit ihrer langjährigen Rivalin Maaike Huvermann aus den Niederlanden. Huvermann ist die einzige Frau, die in den letzten 13 Jahren einen Heat gegen Offringa gewonnen hat - 2019 gewann sie das Double Elimination Finale gegen die Arubanerin auf Bonaire - und sie lieferte heute erneut eine solide Leistung ab. Bis zur Mitte des Heats waren die Dinge ausgeglichen, aber dann, wie so oft, legte Offringa die Messlatte höher, indem sie trotz des leichten Windes zwei Power-Moves landete - einen Culo und einen Burner in dieselbe Richtung. Das gab letztlich den Ausschlag.

Sarah-Quita Offringa: „Ehrlich gesagt habe ich nicht einmal gedacht, dass wir heute surfen würden. Dann kam ich an den Strand und es schien windig zu sein, aber an den anderen Tagen kam der Wind nicht wirklich ans Ufer. Beim Skippers' Meeting wurde uns dann gesagt, dass es losgehen würde und die Frauen als erste an den Start gehen würden. Ich dachte: 'Oh Mann, jetzt müssen wir als Erste raus'. Ich bin mit meinem 5,2er rausgegangen - um ehrlich zu sein, ich glaube, mein besserer Heat war das Halbfinale, aber im Lauf danach habe ich gesehen, dass die Jungs richtig gut angepowert waren, also habe ich für das Finale eine Segelgröße runtergenommen. Ich möchte auch kurz Lina Eržen gratulieren - ich bin froh, dass ich gegen sie fahren durfte. Im Finale fuhr ich mein 4,8er, aber der Wind ließ ein wenig nach, so dass meine Taktik darin bestand, einfach auf die Moves zu kommen. Ich habe mich nicht auf meine höchstwertigen Moves konzentriert, sondern nur darauf, mein Scoresheet zu füllen. Am Ende ist es mir aber doch gelungen, einen Burner zu landen, und ich glaube, das war der Move, der den Unterschied ausgemacht hat. Dafür habe ich eine Menge Punkte bekommen. Am Ende des Heats war ich mir immer noch nicht sicher, ob ich gewonnen hatte, aber ich war zufrieden, da ich dieses Jahr große Fortschritte gemacht habe und im Finale alles gegeben habe. Wer auch immer gewonnen hätte, ich denke, ich hätte mich genauso für Maaike gefreut. Ich war froh und erleichtert, als ich zurück am Strand war und die Verkündung meines Sieges hörte.“

Huvermann wird mit ihrer Leistung zufrieden sein, denn sie surfte durchweg mit Stil und Konstanz, aber Offringa ist immer noch verdammt schwer zu schlagen.

Oda Brřdholt vervollständigt derzeit die Top 3, nachdem sie sich im Kampf um Platz drei und vier gegen Lina Eržen durchgesetzt hat. Die 16-jährige Eržen dürfte mit ihren Leistungen in den letzten Tagen zufrieden sein. Die junge Slowenin hat mit Platz 4 ihr bisher bestes Ergebnis erzielt und wird auch in Zukunft definitiv eine Gefahr für die etablierten Freestylerinnen sein.
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Freestyle - Männer
Amado Vrieswijk ist einer der schwersten Freestyler auf der Tour, und bei dem heutigen schwachen und abflauenden Wind sah es so aus, als ob die Dinge nicht wirklich zu seinen Gunsten stehen würden. Doch der 25-Jährige von Bonaire startete im Sieger-Finale mit einem Spock-Culo gegen Adrien Bosson, und von da an gab es für ihr kein Halten mehr: Er holte sich mit Burner, Culo, Kono und Switch Chachoo einen klaren Sieg gegen Bosson, der einfach nicht die Böen fand, die er brauchte, um ein Comeback zu versuchen.

Vrieswijk war bei seiner Rückkehr an den Strand verständlicherweise sehr emotional und sagte dazu Folgendes: „Mein erster Heat gegen Jacopo Testa war, glaube ich, der windigste. Also hatte ich großes Glück, denn Jaco ist eine Maschine bei leichtem Wind. Ich war sehr glücklich, dass ich gegen ihn gewinnen konnte. Und dann hatte ich Gollito, der sehr schnell angleitet und in Wettkämpfen unglaublich ist. Im Finale gegen Bosson, der auch bei Leichtwind unglaublich gut ist, wurde der Wind noch unregelmäßiger und schwächer, so dass man selbst in den Böen nicht viel Power hatte. Ich habe einfach versucht, mit der Power, die ich hatte, die besten und härtesten Moves zu landen, die gingen. Ich denke, ich habe das Maximum aus dem Wind herausgeholt, den wir heute hatten.“

Auf die Tatsache angesprochen, dass er, wenn es keinen Wind mehr gibt, endlich seine erste Weltmeistertrophäe in die Hände bekommen wird, sagte er: „In den letzten fünf Jahren war ich schon oft in dieser Situation. Auf Sylt habe ich zwei Titel an Gollito verloren, während ich in den Heats fünf Minuten lang dümpelte. Letztes Jahr habe ich gegen Yentel wegen des Punktesystems verloren. Wenn man sich die Punkte anschaut, hätte ich den Titel eigentlich gewonnen, und jetzt hoffentlich den Titel nach so einem Event in den Händen zu halten, fühlt sich gut an.“

Der Franzose Adrien Bosson surfte im Halbfinale brillant, und besiegte den amtierenden Weltmeister Yentel Caers. Jedoch konnte er im Finale nicht an diese Leistung anknüpfen. So schaffte es Bosson nicht sein Scoresheet zu füllen - was sehr ungewöhnlich ist, aber auch ein Zeichen darauf, wie leicht die Bedingungen waren.

Im Kampf um die Plätze drei und vier traf Yentel Caers auf den neunfachen Freestyle-Weltmeister Jose 'Gollito' Estredo. Der Weltmeister von 2019 konnte sich gegen den King of Freestyle durchsetzen und den verbleibenden Platz auf dem Podium für sich beanspruchen - zumindest vorerst. Der Belgier verlor im Halbfinale nur knapp gegen Bosson, nur 3,6 Punkte trennten die beiden Freestyler. Im Moment teilt sich Steven Van Broeckhoven den fünften Platz mit Jacopo Testa, Youp Schmit und Sam Esteve.

Leider sehen die Aussichten auf Wind für den Rest der Veranstaltung ziemlich düster aus, da vier Tage mit extrem schwachen Winden vorhergesagt sind. Da das Mittelmeer jedoch ein recht kleines Wettersystem ist, besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich das ändert. Die Slalom-Racer und Freestyler werden sich morgen früh um 10 Uhr wieder treffen - mit einem ersten möglichen Start um 10:30 Uhr.

Fotos: PWA / John Carter
Ergebnis Freestyle Damen (Single Elimination):
1. Sarah-Quita Offringa (Starboard / NeilPryde / Maui Ultra Fins)
2. Maaike Huvermann (Severne / Severne Sails / Maui Ultra Fins)
3. Oda Brřdholt (Starboard / Severne)
4. Lina Eržen (Flikka / Duotone)

Ergebnis Freestyle Herren (Single Elimination):
1. Amado Vrieswijk (Future Fly / Severne)
2. Adrien Bosson (Fanatic / Duotone / Maui Ultra Fins)
3. Yentel Caers (JP / NeilPryde)
4. Jose „Gollito“ Estredo (RRD / RRD Sails)
5. Steven Van Broeckhoven (Starboard / Gunsails)
5. Jacopo Testa (AV Boards / Point-7 / AL360)
5. Youp Schmit (Tabou / GA Sails)
5. Sam Esteve (JP / NeilPryde)

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