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R(e)volution Foil-Windsurfen: Die Zukunft des Sports?

Entwicklung, Kosten, Unterschiede und Technik-Tipps – wir stellen die neue Trend-Disziplin vor.

Vor vier Milliarden Jahren entstanden die ersten Lebewesen im Wasser – weitere dreieinhalb Milliarden Jahre dauerte es, bis sich die Wirbeltiere dann zuerst das Land und später auch die Luft als Lebensraum erschlossen. Beim Windsurfen geht die Entwicklung nun wesentlich schneller. Kein halbes Jahrhundert nach der Erfindung des Wassersports sieht man immer mehr Boards über die Schaumkronen schweben, ja fast schon fliegen – und das bei teils kaum vorhandenen Winden. Den Hydrofoils sei Dank.

Mit einer Mischung aus Abneigung und Neid schüttelten viele noch vor wenigen Monaten den Kopf, als sich die ersten (Bruch-)Piloten ihre XXL-Finnen unter die Boards schraubten und völlig undefinierbare Kurse ins Wasser zeichneten. An Flautetagen, die laut so manchen Promenadegästen doch eigentlich fürs Regenerieren und/oder Bier trinken am Strand vorgesehen waren, pellten sich plötzlich immer mehr Leute in den Neo und wippten in ungewöhnlicher Haltung übers Meer. Dass sich diese absurde Low-Wind-Beschäftigung eines Tages durchsetzen würde – noch vor nicht allzu langer Zeit unvorstellbar. „Sich ein Hydrofoil unters Board zu schrauben, das hat doch nun wirklich gar nichts mehr mit dem Surfen an sich zu tun!“ Oder etwa doch?

R(e)volution Foil-Windsurfen: Die Zukunft des Sports?
R(e)volution Foil-Windsurfen: Die Zukunft des Sports?

Wir sprachen mit verschiedenen Profis und Entwicklern über die immer noch neue Technologie. Und eines vorweg: Alle, die die Superfinne einmal ausprobierten, waren durchweg begeistert. „Das erste Mal, wenn du auf dem Foil stehst und dann in die Luft gehst, ist wie das erste Mal Sex“, leuchteten Balz Müllers Augen nach seinem primären Versuch. „Du schwebst über das Wasser und hörst die Schaumkronen unterm Brett durchbrechen – das ist echt krass. Du bist wie ein Vogel am fliegen, das ist saugeil.“ Doch nicht nur der Schweizer, der für seine gewohnt offene und sympathische Art bekannt ist, war sofort begeistert. Auch Slalom-Guru Arnon Dagan sowie Worldcupper und Entwickler William Huppert heben beide Daumen nach oben.


2016 bekräftigte erstmals auch die PWA, Foilen als neue Disziplin integrieren zu wollen, testete die Durchführung bereits auf Sylt. In Frankreich gibt es inzwischen ganze Foil-Contests, einen regelrechten Hype, und selbst die Defi Wind bietet nun die Schwebe-Disziplin an. Wo kommt der plötzliche Boom her? Und was ist Foil eigentlich genau? Wie funktioniert und was kostet es? Wird es sich durchsetzen? Im WINDSURFERS Foil-Special probieren wir, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.


R(e)volution Foil-Windsurfen: Die Zukunft des Sports?

Was ist ein Foil?
Das Hydrofoil, wie es richtig heißt, hebt nicht nur Surfbretter, sondern ganze Boote oder Schiffe ab einer gewissen Geschwindigkeit aus dem Wasser. Die Tragfläche am Ende der langen Finne, welche in der Form einem Flugzeugflügel ähnelt, entwickelt durch das drunter und drüber strömende Wasser eine starke Auftriebskraft und drückt somit den gesamten Rumpf aus dem Wasser heraus. Dadurch wird die Verdrängung und der Reibungswiderstand des Rumpfes minimalisiert. Diese Kräfte, die für gewöhnlich gegen den Antrieb entgegen wirken, entfallen nahezu komplett. Somit ist nicht nur die Geschwindigkeit des Objekts wesentlich höher, sondern gleichzeitig wird auch die benötigte Antriebskraft (zum Beispiel die Windstärke) geringer. Zusammengefasst: Bei weniger Wind lässt sich erheblich schneller fahren. Im Surfsport funktioniert das Prinzip identisch. Allerdings ist die Art des Foils – also die Größe der Flügel sowie die Dicke des Profils – unterschiedlich. Der Effekt ist bekannt: Bei zwei, drei Windstärken gelingt die Gleitfahrt.

Woher kommen Hydrofoils?
Auch wenn die Bezeichnung Foil beim Segeln, Kiten und Windsurfen erst wenige Jahre jung ist, entstand die Idee im Schiffbau zu Zeiten Kaiser Wilhelms dem 2. Um 1900 wurden die ersten Tragflügelboote entwickelt und gebaut. Auch Streitkräfte diverser Nationen griffen immer wieder auf die außergewöhnliche Technologie zurück, ehe sie etwas in Vergessenheit geriet. Zurück in die breite Aufmerksamkeit schaffte es Foil durch den Erfolg im Segelsport. So werden die Wasserflügel nicht nur beim America’s Cup erfolgreich eingesetzt, sondern vielmehr fuhren, oder besser gesagt: flogen, sie einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen ein.

„Komischerweise kam der Boom im Windsurfen erst 2016“, wundert sich Slalom-Experte Arnon Dagan. „Foil gibt es schon sehr lange, aber irgendwie schaffte es erst jetzt den Durchbruch. Vielleicht traute sich einfach endlich jemand, das Thema noch mal anzugehen. Außerdem funktionieren die Foils ja inzwischen auch wesentlich besser.“




Alle Bilder (16):
Foil and the City: Ungewöhnliche Kulisse für eine ungewöhnliche Disziplin.
Arnon Dagan ist von den Tragflächen begeistert – und warnt zugleich vor den schmerzlichen Crashes.
Die junge Disziplin wurde 2016 erstmals bei World Cups getestet.
Für Balz Müller ist Foil 'wie das erste Mal Sex'.
Eigentlich sollte man beim Foilen möglichst aufrecht stehen, ein Handwash ist dennoch möglich.
Antoine Albeau fliegt vor der Promi-Insel Sylt.
William Huppert entwickelt für Lokefoil handgemachte Carbonmodelle.
Wenig Wind und maximale Geschwindigkeit: die Vorteile beim Foilen.
Dänemarks Kornum fliegt trotz seiner Monstermuskeln schwerelos übers Wasser.
Daumen hoch für die neue Technologie.
Bei Halsen ist Vorsicht geboten. Fährt man diese zu radikal, schmiert man ab.
F4 – einer der zahlreichen Foilhersteller.
William Huppert
Arnon Dagan testet sowohl für NeilPryde als auch für Z-Fins die Wunderfinnen.
Zwar ohne Foil, aber genau solche Tricks will der Schweizer künftig auch in der neuen Disziplin machen und sehen.


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