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WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa

Japan verbinden viele mit Atomkatastrophen, überfüllten Städten und schrillen Manga-Zeichnungen. Warum man dennoch den Inselstaat besuchen sollte, beschreibt WINDSURFERS-Redakteur Fritz Lüders.

Hätte mich vor Wochen jemand nach meinen Wunsch-Reisezielen befragt – Japan wäre nicht unter den Antworten gewesen. Warum auch? Japan war für mich ein überbevölkerter Fleck auf der Landkarte, von Nordkorea, den USA und Russland eingeklemmt. Im Osten Trump, im Westen Kim Jong-un. Japan irgendwo dazwischen. Wie ein kraftloser Ringrichter, der verzweifelt probiert, zwei verkeilte Boxer zu trennen. Und dann auch noch Windsurfen? Sechs Jahre nach Fukushima? Nein, Japan stand nicht auf meiner Liste.

WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa

Es reichte eine Facebook-Werbeanzeige, um meine Überzeugungen zu vergessen: Tokio, ab Hamburg, hin und zurück, 400 Euro. Nach wenigen Klicks, Google-Bildern von leeren Spots mit dicken Wellen, Bildern von gigantischen Sushi-Platten, all you can eat, überraschenden Wikipedia-Facts („viertgrößter Inselstaat der Welt“, „30.000 Kilometer Küstenlänge“) und einer perfekten Windvorhersage von Windguru, hatte ich plötzlich einen Boarding-Pass. Ich flog nach Japan, in ein Land, in das ich nie reisen wollte. Zum Glück.

Tokio – mit der U-Bahn zum Spot

Shinjuku Station, Ausgang C7, steht auf dem Zettel. Mit den Worten „Du wirst dich in Tokio auf keinen Fall zurecht finden“, hatte mein Gastgeber mir vorher eine Wegbeschreibung gemailt. In Shinjuku freue ich mich zum ersten Mal über diese übertriebene Fürsorglichkeit. Denn meine Bahnstation ist mit über drei Millionen Passanten pro Tag eine der größten der Welt, und mehr Paris-Charles-de-Gaulle als Hamburg-Jungfernstieg. Zwischen den Ausgängen können Kilometer liegen. Ohne Straßennamen und Hausnummern fällt auch draußen die Orientierung schwer. In fast jeder Hauseinfahrt steht ein Verkehrspolizist, bis in die Haarspitzen motiviert, mich mit Trillerpfeife im Mund und Kelle in der Hand durch zu winken. Vorbei an Hunderten Getränkeautomaten, singenden Ampeln und verführerisch riechenden Restaurants finde ich meine Unterkunft. Sie ist so groß wie eine Besenkammer. In Tokio nichts Ungewöhnliches.


WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa

Tokio ist die größte Metropolregion der Welt. Von Chiba im Osten bis Yokohama im Süden leben 37 Millionen Menschen. Die Innenstadt zu verlassen, dauert Stunden. Selbst an diesem so belebten, aber trotzdem trostlosen Ort, gibt es Windsurfspots. Einer davon direkt im Zentrum, unterhalb der Rainbow Bridge. Odaiba Beach war viele Jahre ein ernst zu nehmendes Flachwasserrevier bei östlichen Winden. Nachdem mehr Hochhäuser ringsherum entstanden, ist der Teich böiger als die Binnenalster. Einziger Anreiz: die unglaubliche Kulisse der Millionenstadt Tokio.

Wer urbanes Windsurfen mag, findet in Kemigawahama, am Nordende der Tokiobucht, eine lohnende Alternative. Bei Westnordwestwind gibt es hier Sideshore von rechts – nach einem Taifun sollen sogar Wellen an dem künstlichen Strand ankommen.



Alle Bilder (28):
Beliebter See zum Foilen: Kawaguchi am Mount Fuji
Omaezaki
Die Bucht von Omaezaki
Foilen wird in Japan immer mehr zum Trend.
Kleine Left in Okinawa.
Bis zu den Riffen müssen lange Distanzen zurückgelegt werden.
Der weite Weg lohnt sich dennoch.
Lagune in Okinawa.
Sonnenuntergang in Omaezaki
Der Südwesten Okinawas ist militarisiert, aber mit soliden Breaks ausgestattet.
Rampe in Omaezaki Long Beach
Der Norden Okinawas
Fritz Lüders in Omaezaki
Backloop
Die schönen Strände des japanischen Südens
Traditionelle Hochzeit in Tokio
Shinjuku
Surfen im Herzen einer Metropole
Die Rainbow Bridge
Tokio bei Nacht
Der Westen Tokios


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