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WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa - Teil 4


Auf der Hauptinsel Okinawas wohne ich bei Taro, einem Amerikaner, der aussieht wie ein Japaner. Seine Eltern immigrierten in die USA vor seiner Geburt. Als Volljähriger zog er zurück in das Land seiner Vorfahren. Auf dem Weg vom Surfen nach Hause spreche ich ihn auf die vielen Helikopter über uns an. „Dude, neulich ist einer sogar in eine Schule gekracht“, sagt er und breitet seine Arme wie Rotoren aus. „Ratatatata hat der Helikopter einmal das Klassenzimmer durchtrennt. Zum Glück war niemand dort.“ Er erzählt mir vom Zweiten Weltkrieg, von der amerikanischen Besatzung, von Suiziden japanischer Frauen, von Versöhnung, von wirtschaftlichen Abhängigkeiten, von neuen Konflikten. Dann sagt er plötzlich: „Dude, ich liebe Pilze!“ Er meint nicht die essbaren.

Taro ist ein arbeitsloser Lehrer, der im Norden der Insel wohnt. Dort bekommt man von der US-Arme wenig mit. Im Süden, rund um die Hauptstadt Naha ist alles urban, laut, hektisch. Der Norden und die anderen kleinen Inseln Okinawas sind hingegen idyllisch, pure Natur, Dschungel. Die Bürger der Inseln sind freundlich, wie im Rest des Landes, aber lockerer.


WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa

Windsurfen ist überall in Okinawa möglich, allerdings ein Nischensport. Die meisten Korallenriffe rund um die Insel hat man für sich alleine. Mit Tomokatsu, einer Art letztem Samurai der Windsurfer, fahre ich an die Nordküste. Er zeigt zum Horizont: „Da draußen ist ein Riff, das funktionieren könnte.“ Ich sehe nichts. Angst bekomme ich das erste Mal, als er mir mein Equipment gibt. Das ist mindestens seit zehn Jahren in Gebrauch und nicht mehr in der vertrauensvollsten Verfassung. Als wir nach meilenweiten Schlägen endlich das Riff erreichen, schießt neben mir ein riesiger Rochen aus dem Wasser und verschwindet mit einer großen Fontäne. Die Aufregung hat sich dennoch gelohnt: Zwar sind die Wellen nicht besonders groß, aber sauber und kraftvoll. Und das Beste: man muss nie nach anderen Windsurfern Ausschau halten.

Take, ein zierlicher Japaner, wartet schon am Strand auf mich. Ob ich Lust auf stand up paddeln habe, fragt er. Es ist mittags und eigentlich müsste er in der Gastronomie arbeiten. Doch wie sämtliche Einheimische auf meiner Reise scheint er alles für Gäste zu tun. Im Südosten der Insel erreichen wir über einen Dschungelpfad die Bucht. Windgeschützt laufen ein paar Wellen. Vom Wasser aus hat man das Gefühl, auf Tahiti zu schauen. Man sieht nichts außer Natur, kein Mensch weit und breit. Doch dann fliegen wieder zwei Helikopter tief über das Riff, direkt auf uns zu. „Keine Angst“, sagt Take. „Die schauen nur, wo heute die besten Wellen brechen.“ Dann lacht er und paddelt einem großen Set entgegen.


WINDSURFERS in Japan: von Tokio nach Okinawa

Kamakura: Beste Windrichtung: West, Bedingungen: Cross-Onshore von rechts, großer Sandstrand, Unterkunft: Plage Yuigahama, Preis: 2000 Yen (Fahrrad inklusive).

Okinawa: Beste Windrichtung: Nordwest bis Nordost, Bedingungen: flache Reefbreaks, Saison: November bis März.

Omaezaki Spotguide: Beste Windrichtung: Nordwest, Bedingungen: Sideshore von rechts, großer Sandstrand, Saison: November bis Februar, Ausweichspots: Kikugawa bei Nordwest und Shizunami bei Nordost.

Text: Fritz Lüders
Fotos: waveSplash, happystandup.com, Tomokatsu Gotou, Yoshiaki Nagamatsu, JNTO, Fritz Lüders



Alle Bilder (28):
Beliebter See zum Foilen: Kawaguchi am Mount Fuji
Omaezaki
Die Bucht von Omaezaki
Foilen wird in Japan immer mehr zum Trend.
Kleine Left in Okinawa.
Bis zu den Riffen müssen lange Distanzen zurückgelegt werden.
Der weite Weg lohnt sich dennoch.
Lagune in Okinawa.
Sonnenuntergang in Omaezaki
Der Südwesten Okinawas ist militarisiert, aber mit soliden Breaks ausgestattet.
Rampe in Omaezaki Long Beach
Der Norden Okinawas
Fritz Lüders in Omaezaki
Backloop
Die schönen Strände des japanischen Südens
Traditionelle Hochzeit in Tokio
Shinjuku
Surfen im Herzen einer Metropole
Die Rainbow Bridge
Tokio bei Nacht
Der Westen Tokios


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