Heuschrecken-Alarm: Hurley - der Ausverkauf einer Surfmarke

Heuschrecken-Alarm: Hurley - der Ausverkauf einer Surfmarke

Eine der größten Marken im Surf-Business wurde Ende des Jahres an einen Hedge Fond verkauft - mit riesigen Folgen.

von Lukas Poddig
Hurley - das ist nach wie vor einer der ganz großen Namen im Surfgeschäft. Mit dem wohl besten Team an Wellenreitern - unter anderem John John Florence, Filipe Toledo, Kolohe Andino, Carissa Moore oder Michel Bourez (Foto oben) - ging für den kalifornischen Hersteller das Jahr 2019 eigentlich ganz entspannt zu Ende.

Die Schlagzeile, dass der vorherige Eigentümer Nike die Surfmarke verkauft hatte, war da zunächst nur Branchen-Insidern eine Notiz wert. Doch mittlerweile schlagen die Wellen dieses Deals immer höher.

Aber der Reihe nach: Hurley, 1979 von Bob Hurley in Costa Mesa (Kalifornien) gegründet und aufgebaut, etablierte sich als eine der großen Surfmarken bald im boomenden Geschäft global. Zunächst als Lizenzpartner der australischen Marke Billabong, danach mit Produkten unter eigenem Namen. 2002 wurde die Marke dann von Nike gekauft, die sich davon mehr Einfluss auf die weiter wachsende Surf-Gemeinde versprach.

Auch durch das Geld, das der Sportriese Nike investierte, war Hurley in der Lage, sich ein Team mit Surfern aufzubauen, das seinesgleichen sucht. Teil davon: der größte Sponsoring-Deal der Surfgeschichte, der dem mittlerweile zweimaligen Weltmeister John John Florence über 10 Jahre 3 Mio. jährlich einbringt. Doch solche Deals machen es auch für einen der größten Neo- und Boardshorts-Produzenten schwierig, profitabel zu wirtschaften.

Ende des Jahres 2019 sickerte dann durch, was zuvor auch anderen Surf-Marken passierte: Nike verkaufte Hurley an die Bluestar Alliance, eine New Yorker Private Equity Firma, die sich auf Markenmanagement spezialisiert hat. Und die Manager, von manchen als Heuschrecken bezeichnet, wollen Geld verdienen.

Deshalb hieß es Anfang 2020: erstmal muss "effektivisiert", ergo gespart werden. Deshalb wurde quasi dem kompletten Hurley-Team ein Angebot gemacht, sie aus dem bestehenden Vertrag herauszukaufen. Parallel dazu wurden über 60 Mitarbeiter der Marke gekündigt und der eigentliche Gründer Bob Hurley von seinen Aufgaben entbunden. So gehen der Marke Leute verloren, die die Surfbranche kennen und ein Gefühl dafür haben, wie Style und Stoke sich produzieren und vermarkten lassen.



So stehen einige der kreativsten Köpfe, einflussreiche Persönlichkeiten (wie Rob Machado) und ein paar der besten Surfer weltweit nun ohne Arbeitgeber bzw. Sponsor da. Die Angst ist groß, dass das Verständnis bei Bluestar Alliance für die machmal eigene Surfwelt und ihre Funktion fehlt. Denn nur mit sparen wird auf dem Surfmarkt kein Blumentopf gewonnen.
Die Community lebt davon, dass etwas zurückgegeben wird und sowohl junge Talente als auch Events unterstützt werden, die den Sport voranbringen.

Man kann nur hoffen, dass der profitorientierte Ansatz von Bluestar der Windsurfbranche als warnendes Beispiel dient...

Foto: Hurley Facebook Page