WINDSURFERS Quick-Test: Ride Engine Carbon Elite 12k

WINDSURFERS Quick-TestRide Engine Carbon Elite 12k

Wir haben das Carbon Elite 12K der Hardshell-Pioniere auf der Nord- und Ostsee getestet.

von Lars Niggemeyer
Carbon-Trapeze sind der neueste Trend in der Surfindustrie. Die Idee dazu scheint nicht all zu weit hergeholt. Alle Windsurfer wissen: Je mehr Carbon desto besser! "Viel hilft viel" war auch der Ansatz bei der Entwicklung des Luxus-Trapezes "Carbon Elite 12K" von Ride Engine. Das feste Rückenteil des zugegebenermaßen eher kostspieligen Trapezes besteht aus 12K-Carbon, einem feinen Gewebe mit 12.000 Fasern pro Garn. Beim Windsurfen sollen Hardshell-Trapeze ihren Vorgängern überlegen sein. Neben gefühlten 90% der Kitesurfer schwören Windsurf-Profis wie zum Beispiel Adi Beholz und ein paar Early Adopters schon darauf. Wir sind dem Hype auf den Grund gegangen.
WINDSURFERS Quick-Test: Ride Engine Carbon Elite 12k
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Auch wenn inzwischen quasi alle Hersteller ein (mehr oder weniger gut umgesetztes) Hardshell-Trapez anbieten - Ride Engine sind tatsächlich die Urheber des Trends. Die Kalifornier haben aktuell noch einen Entwicklungsvorsprung. Die Firma wurde 2010 vom kalifornischen Tüftler Coleman Buckley nach seinem Biologie-Studium an der renommierten Stanford-Universität gegründet. Sein Ziel: Ein Kite-spezifisches Trapez, das nicht hoch- oder zur Seite wegrutscht. Alles, was bis dato auf dem Markt erhältlich war, hatte ihn enttäuscht. In einer Garage in seiner Heimat Santa Cruz machte er sich daran, das perfekte Trapez zu erschaffen - eines, dass mit einem festen Rückenteil aus Carbon daher kam, eines, dass den Zug perfekt auf die Hüfte und den Rücken überträgt. Coleman Buckley ist damit der Erfinder des Hartschalen-Trapezes.
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An Land:
Schon optisch ist das Carbon Elite 12K auffällig. Auf der Rückenplatte schimmert feinstes Carbon-Gewebe durch, mit einer deutlichen und charakteristischen Einbuchtung nach innen. Die harte Schale merkt man schon am Strand. Im Gegensatz zu seinen textilen Geschwistern fühlt dich das Ride Engine auf der Rückseite eher wie ein Windsurf-Board an, nicht wie ein Trapez. Nimmt man das Trapez das erste mal in die Hand, kommt die erste (Spoiler: aber auch einzige) Ernüchterung auf. Entgegen der Erwartung "Carbon = leicht" ist das Ride Engine genauso schwer wie ein herkömmliches Trapez oder auch einen Ticken schwerer als die besonders spartanischen Vertreter seiner Gattung. Wie sich nachher herausstellte, sind die paar Gramm mehr aber sinnvoll investiert und auf dem Wasser irrelevant. Der Vergleich mit der Gewichtsproblematik bei schweren Carbon- und leichten Aluminium-Gabeln drängt sich hier gradezu auf. Die Qualität der Verarbeitung ist erstklassig. Die überflüssige Handlepassleash lässt sich mit ein bisschen Fingergymnastik entfernen.

Legt man das Trapez an, fällt eine Sache sofort auf: Das Carbon Elite 12K ist deutlich steifer als alle anderen Trapeze die man bisher tragen konnte. Die Carbonschale liegt nicht nur am Rücken an, sondern umrandet die gesamte Hüfte bis nach vorne. Am Strand sitzt der Haken bombenfest und bewegt sich keinen Millimeter mehr. Auch eine Verwindung ist unmöglich. Hier macht sich auch bemerkbar, dass man sich je nach Hüftbreite einen von drei Haken aussuchen kann. Da wackelt nichts mehr! Bevor jetzt Verwirrung eintritt: Diese Eigenschaften sollten natürlich auch bei einem gut sitzenden Textil-Trapez vorhanden sein - aber das Ride Engine setzt spürbar noch einen Ticken drauf.

Auf dem Wasser:
Beim Surfen braucht man erst einmal ein paar Schläge um den Unterschied zu einem "normalen" Trapez festzustellen. Das Carbon Elite 12K wirkt dabei auf keinen Fall wie das befürchtete steinharte Brett, sondern super-komfortabel. Eine Art Gel-Kissen sorgt für den nötigen Schutz der Wirbel vor der harten Carbonplatte. Der Zug des Segels wird deutlich gleichmäßiger als bei herkömmlichen Trapezen auf die gesamte Hüfte und den Rücken übertragen. Ein definitiv spürbarer Effekt, der beim Einsatz mit großen Segeln auf langen Schlägen noch stärker hervortritt als im Wave-Einsatz bei Hack. Tatsächlich hat man das Gefühl: Je mehr Zug auf den Tampen, desto ergonomischer und komfortabler wird das Trapez. Dank der harten, die Hüfte umlaufenden Schale wird der Zug an Stellen verteilt, an die bisher kein Trapez herankam.

Was die Zugverteilung angeht, fühlt man sich an den seitlichen Halt von Sportsitzen im Auto erinnert - jedoch ohne, dass man nach dem ersten Schlagloch einen Bandscheibenvorfall zu beklagen hat. Im Gegenteil. Wer nach dem Surfen mit großen Segeln Rückenprobleme hat, für den wird das Trapez ein absoluter Game-Changer sein. Dank dem gelartigen Schutz für die Wirbel ist eine drei-stündige Session für den Rücken ähnlich belastend wie ein Sonntagnachmittag im Stressless Sessel.

Fazit:
Nach dieser zugegebenermaßen etwas blumig geratenen Beschreibung nun Butter bei die Fische: Braucht man das Carbon Elite 12K?

Das High-End Trapez hat einen definitiv spürbaren Effekt. Aber High-End ist auch der Preis. Das Carbon Elite kostet 369 . Wer nicht zurückgelehnt surft, sondern sich wegen Manövern andauernd aktiv am ein- und aushaken ist, braucht das Carbon Elite 12K nicht. Das Trapez ist hochwertiges Update für Leute, die schon bis an die Grenze des Machbaren durchoptimiertes Surf-Material haben. Wer sowieso viel Geld ausgibt oder dementsprechend viel auf dem Wasser ist, dem tut auch der vergleichsweise kleine Aufpreis nicht weh. Das Carbon Elite 12K ist selbst dann noch eine echte Aufwertung.

Aber: Wenn es dir nach einer Session im Kreuz ziept, dann können und müssen wir dir das Carbon Elite ans Herz legen. Alle Freerider und Slalom-Piloten werden mit dem Ride Engine Trapez länger und ausgiebiger auf dem Wasser bleiben können. Wenn du dich angesprochen fühlst, können wir dir nur wärmstens Empfehlen das Trapez auszuprobieren und dich selber zu überzeugen. Deine Zeit, dein Spaß auf dem Wasser (und auch danach) wird sich deutlich erhöhen.

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