Lennart Neubauer im Interview: „Freestylen ist zu 80% Kopfsache“

Lennart Neubauer im Interview„Freestylen ist zu 80% Kopfsache“

Als kleiner Junge ist er mit seiner Mutter von Bremen nach Naxos gezogen und hat dort seine Liebe fürs Freestylen entdeckt. Der mittlerweile 19-jährige Lennart Neubauer gibt uns einen Einblick in seinen Alltag und wie er sich mit der professionellen Hilfe von Red Bull aus den Folgen seiner schweren Knieverletzung herauskämpfen konnte.

von Willem Trahn
Das Knochenödem im linken Knie holte er sich im November 2021 bei einem Skate-Unfall auf einer Miniramp beim World Cup in Marseille. Fast zwei Jahre später haben wir ihn nun an seinem Homespot getroffen und mehr über seine aktuelle Vorbereitung für den Worldcup auf Sylt herausgefunden.

Moin Lennart, du bist ja mittlerweile 19 Jahre alt und mit der Schule fertig. Wie sieht denn im Moment dein Alltag aus? Bist du im Leben als Vollzeit-Profiathlet angekommen?
Also mein Alltag sieht in etwas so aus: Ich stehe ohne Wecker auf, so gegen halb acht. Ich frühstücke dann und gehe erst mal ins Gym, damit ich das schonmal hinter mir habe. Ich esse im Allgemeinen den ganzen Tag sehr viel, da ich die ganze Energie für den Sport brauche. Meistens geht es dann gegen Mittag oder Nachmittag aufs Wasser und wenn kein Wind ist, schnappe ich mir gern auch mal mein Bike. Kurz vorm Wettkampf gehe ich aber nur ins Gym, wenn wirklich gar kein Wind ist und mache dann auch eher ruhigeres Training. Ansonsten bin ich im Moment aber auch viel am Planen und Packen, weil ich mit dem Van nach Sylt rauf fahren werde. Eigentlich ist mein Alltag eher langweilig, könnte man sagen (lacht).
Lennart Neubauer im Interview: „Freestylen ist zu 80% Kopfsache“
Lennart Neubauer im Interview: „Freestylen ist zu 80% Kopfsache“
Lennart Neubauer im Interview: „Freestylen ist zu 80% Kopfsache“
Habe ich das richtig verstanden, dass du kurz vor dem Wettkampf das Krafttraining eher herunterschraubst?
Ja, genau, das nennt man „Tapering“, also man reduziert bewusst ca. zwei Wochen vorher sein Krafttraining, um dann voll erholt in den Wettkampf zu starten. In dieser Zeit lege ich dann meinen vollen Fokus auf das Windsurfen.

Wir erinnern uns an letztes Jahr zurück, als du mit einer schweren und langwierigen Knieverletzung zu kämpfen hattest. Ist dieser Abschnitt nun endlich vorbei oder meldet sich das Knie bei der ein oder anderen Starkwindsession noch mal?
Nee, also ich hatte da wirklich Glück im Unglück. Ich merke mittlerweile gar nicht mal mehr, dass ich mal verletzt war. Auf der anderen Seite meldet sich der Körper an anderen Stellen wie dem Rücken oder der Schulter dann doch immer mal wieder. Das liegt vor allem einfach daran, dass ich mich nach der langen Pause erst einmal wieder auf die Belastung beim Surfen gewöhnen musste. Das Training im Gym hilft mir dabei enorm, jedoch brauche ich bestimmt noch ein Jahr, bis mein Körper wieder voll hinterhergekommen ist.
Lennart Neubauer im Interview: „Freestylen ist zu 80% Kopfsache“
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Sicherlich nimmt einen so eine Verletzung nicht nur körperlich, sondern auch mental ziemlich mit. Wie hast du es denn geschafft, mental stark zu bleiben und dich so wieder an die Weltspitze zurückzuarbeiten?
Um ganz ehrlich zu sein, war ich anfangs echt niedergeschlagen und hatte im Stillen stark damit zu kämpfen. Ich bin dann aber mit meinem Frust lieber bei mir geblieben und war dann auf Instagram auch nicht immer ganz offen und ehrlich, um mir unnötige Kommentare zu ersparen. Jedoch denke ich, dass ich aus der ganzen Erfahrung viel gelernt habe und ich würde sogar sagen, dass ich ohne die neue mentale Stärke dieses Jahr nicht so gut gefahren wäre. Auch wenn ich nie wieder so eine ganze Reha durchmachen möchte, probiere ich stets, die positiven Seiten an dem Ganzen zu sehen.

Würdest du sagen, dass die professionelle Hilfe im Red Bull Center ausschlaggebend war? Oder wärst du auch ohne die Hilfe schnell wieder auf die Beine gekommen?
Absolut nicht. Also vor allem ohne Red Bull wäre das nicht möglich gewesen. Ich habe da wirklich die bestmögliche Unterstützung bekommen. Von Mentaltrainer und Physiotherapeuten bis hin zu Krafttrainer. Da war wirklich alles dabei. Ich bin auch bis heute noch wöchentlich bis monatlich in Kontakt mit denen. Ich kann mir vorstellen, dass ich ohne die Hilfe nicht mal windsurfen könnte und wenn, dann ganz sicher nicht auf den Level wie jetzt.

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